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Arab-American Dialogue

Saturday, 17. October 2009

Arabisch-amerikanischer Dialog zum Thema "Konversionen"...

Am 14. Oktober ging es im Dialog um religiöse Konversionen. 15 Teilnehmer/innen (zwei Amerikaner, vier Araber) waren anwesend.

Es begann mit einer 25-minutigen Präsentation von YouTube-videos zum Thema Konversion: Reportagen darüber, wie Deutsche zum Islam Konvertieren, einige Aufnahmen von Übertritten zum Islam und Selbstzeugnisse von Konvertiten. Schliesslich zeigte ich zum Vergleich eine Sammlung von Interviewausschnitten von Mormonen, die darüber gesprochen haben, warum sie ihre (z.T. neue) Religion so gut finden. Diese Links haben wir uns angeschaut:

Reportagen:
http://www.youtube.com/watch?v=mhMdTjLXoh4
http://www.youtube.com/watch?v=R-5qOvbDm0E
http://www.youtube.com/watch?v=rEZgmEjw5R4

Konversion zum Islam:
http://www.youtube.com/watch?v=dexV8R0nWso
http://www.youtube.com/watch?v=JGN0dZ3VbTY
http://www.youtube.com/watch?v=uDqR_GTcQbM

Mormonen:
http://www.youtube.com/watch?v=LdPT5oVtG9E

Die darauffolgende Diskussion verlief auf zwei Ebenen - . Zum einen ging es um die konkreten Fälle. Es gab immer wieder dazwischen längere Ausführungen über das Wesen von Religion an sich und über die Charakteristika spezifischer Religionen, vor allem des Islams.

Die Teilnehmer fragten sich anhand der Beispiele: Warum konvertieren Menschen? Warum geben sie die Religion ihrer Herkunft ab und nehme eine "fremde" Religion an? Die in der Runde diskutierten Erklärungen deckten sich z.T. mit denen, die in den Reportagen und Aufnahmen angesprochen wurden, wie die Suche nach Gemeinschaft, der Abbruch des bisherigen Lebenslaufs, die Überwindung einer Lebenskrise, das friedliche Wesen des Islams usw. Es kamen aber auch andere Ideen hinzu, beispielsweise Modeerscheinungen wie vor Hundert Jahren schon mit Hinduismus und Buddhismus. Zur Frage, was wir von den Konversionen halten, gab es verschiedene Meinungen. Mindestens zwei der anwesenden Muslime äusserten sich positiv zu den 4000 Konversionen im Jahr. Andere Meinungen waren meist neutral, tolerant oder negativ. Ein Teilnehmer meinte, man sollte zuerst die eigene Religion durchforsten. Einer fand die Konversionen unheimlich - nicht weil sie zum Islam übergingen, sondern deswegen, weil sie den Eindruck machten, jetzt schon die Wahrheit gepachtet hatten.

In den Diskussionsabschnitten, in denen es um das Wesen von Religion ging, beruhten wir viele Themen: Ob Islam oder irgend eine Religion für Kriege und andere Gewalttaten verantwortlich gemacht werden kann (ob durch den Inhalt der Schrift oder durch einen abstrakten Absolutheitsanspruch), wer den für eine Religion spricht (etwa die anwesenden Gläubigen, der Klerus, die Terroristen, die in deren Namen sprichen, usw.), ob eine Neigung zur Religiösität im Menschen angeboren oder erlernt wird, wie man mit Menschen mit einer anderen Religion umgeht (wobei alle Anwesende, die sich als religiös ausgaben, für Toleranz und Akzeptanz plädierten), die Möglichkeiten und die Praxis des interreligiösen Dialogs, die sich widersprechenden Inhalte und die Gemeinsamkeiten der Religionen, die historische und ethisch/moralische Rolle der Aufklärung (beispielsweise in der Entwicklung der Menschenrechte), die Rolle der Religion für das Geschichtsverständnis, was es über den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft aussagt, wenn immer mehr Menschen sich (wieder) der Religion zuwenden.


Das Thema für den nächsten Dialog - am 25. November 2009 - steht noch nicht fest. Einige Ideen sind im Umlauf und eine Rednerin wird schon angefragt. Wenn die Teilnehmer/innen Ideen haben oder die Initiative ergreifen wollen, sollen sie sich melden. Wir freuen uns. Ich erinnere an dieser Stelle daran, dass wir dazu übergehen wollten, dass die Inhalte und Themen jetzt stärker von den Teilnehmern und weniger von den zwei Moderatoren abhängen!

Thursday, 16. July 2009

Zur Zukunft des Arabisch-Amerikanischen Dialogs...

Zwölf Menschen erschienen zum letzten Dialog vor der Sommerpause. Thema war die Frage, wie es mit dem Dialog weitergehen soll. Wir diskutierten darüber, ob wir unseren Namen ändern sollen, ob wir die Sitzungen anders strukturieren sollen, ob wir uns weiterhin im d.a.i. treffen sollen usw.

Wir haben uns viele Gedanken gemacht über Form und Inhalt des zukünftigen Dialogs und haben uns ohne Abstimmung aber auf breiter Basis darauf geeinigt, dass Mohannad und ich zunächst die Leitung in unseren Händen beibehalten aber, dass die Gestaltung einzelner Sitzungen nach Absprache und auf freiwilliger Basis von Anderen übernommen wird. Die jeweiligen "Referenten" können die Abende so gestalten, wie sie möchten, werden aber dazu ermuntert und dahingehend begleitet, dass das Dialog-Element weiterhin eine bedeutende Rolle spielt. Das Thema für Oktober wird schon verhandelt.

Das d.a.i. wird uns weiterhin im Program haben, aber ohne Zettel/Flugblätter, so wie sie für andere Gruppen auch machen. Sie stellen den Raum zur Verfügung und haben uns im Program - mehr nicht. Wir sind bis Weihnachten im Program des d.a.i. darin. Danach ist alles offen.

Das d.a.i. hätte gerne, dass wir uns weiterhin einen amerikanischen Bezug im Namen beibehalten. Ich hatte "Gesprächskreis Mittlerer Osten" oder "Arbeitskreis Mittlerer Osten" vorgeschlagen. Andere erwähnten "Internationaler Dialog" oder "Interkultureller Dialog". Ute Bechdolf schlägt vor: "Arabisch-amerikanischer und Internationaler Dialog." Unter diesem Namen wird der Dialog weitergehen.

Tuesday, 9. June 2009

Geburtstags- und Abschlussfest!

Liebe Freundinnen und Freunde des Dialogs!

wir laden Euch herzlich zum 5. Geburtstags- und Abschlussfest des Arabisch-amerikanischen Dialogs des Deutsch-amerikanischen Instituts und des Vereins arabischer Studenten und Akademiker in Tübingen!

Die Party steigt um 20:00 Uhr am Abend des 24. Juni (Mittwoch!) im Saal des d.a.i. (Karlsstr. 3).

Ihr habt richtig gelesen - Geburtstags- und Abschlussfest. Wir sind uns alle einig, das der Dialog in der gegenwärtigen Form nicht mehr zweckmäßig ist. Die Teilnehmerzahl des Zielpublikums - Araber und Amerikaner - ist inzwischen auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit ist es jetzt an der Zeit, sich anderen Themen zu widmen oder über andere Formen der Arbeit nachzudenken. Was "Abschied" genau bedeutet, kann noch diskutiert und verhandelt werden, wozu wir an dem Abend eine Gelegenheit bieten werden. Das d.a.i. wird sich zwar von der Trägerschaft zurückziehen, aber bei Bedarf weiterhin einen Raum zur Verfügung stellen.

Für das Fest planen wir einen "Potluck" und Kulturbeiträge (kurze Vorführungen, Reden, Lesungen, Lieder, etc.) der Anwesenden. Wir bitten um _baldige_ Rückmeldung, damit wir genauer planen können. Bitte meldet Euch bei Muhannad oder Mark und teilt uns mit, ob Ihr kommt und, wenn ja, ob Ihr etwas vorführen möchtet.

Wir würden uns freuen, wenn viele Menschen kommen und mitfeiern. Denn es ist ja ein Erfolg, auf den wir alle zurückblicken können - 5 Jahre gemeinsames Sprechen und Zuhören und Verstehenwollen!


Für das d.a.i.
Mark R. Hatlie
Christiane Pyka
Ute Bechdolf

Für den Verein
Mohannad Al Jawabreh
Fadi Al Masri

Thursday, 19. March 2009

Arabisch-amerikanischer Dialog diskutiert "Diktaturerfarhung"...

Am Mittwoch waren 17 Teilnehmer anwesend, von denen drei Amerikaner und vier Araber waren. Das Thema war "Diktaturerfahrung". Für die Einleitung begnügte ich mich mit einem groben Umriss der Vielfalt politischer Regime in den arabischen Staaten und der Feststellung, dass ein Modell, wonach die arabischen Staaten alle als "Diktaturen" und alle westlichen Staaten als lupenreine "Demokratien" bezeichnet werden, sicherlich nicht zufriedenstellend wäre. Dennoch seien die arabischen Staaten im Allgemeinen weniger demokratisch als die Staaten des Westens.

Die Diskussion begann mit den persönlichen Erfahrungen zweier älterer deutscher Teilnehmer, die als Kinder das Dritte Reich noch erlebt hatten. Sie erzählten von der damals gedrückten Stimmung unter den Erwachsenen, von den Gefahren und von den Ursprüngen des totalitären Systems.

Die Frage des Ursprungs der Diktatur blieb allerdings nicht bei den üblichen Verdächtigten – dem Versailler Vertrag, der Weltwirtschaftskrise, dem Antisemitismus usw. – sondern wurde gleich in der Runde verallgemeinert. Die Teilnehmer erörterten die Ursprünge der Diktatur – nicht der Nazidiktatur, sondern Diktatur an sich – und gingen auch der Frage nach, was man eigentlich unter Diktatur überhaupt zu verstehen hat. Dabei kamen einige Themen und Ideen immer wieder zur Sprache, die ich hier thematisch bündele, da die Diskussionsfäden durcheinander gingen:

- Die Unterschiede und – noch wichtiger – die Ähnlichkeiten politisch-gesellschaftlicher Systeme. Anhand einiger Beispiele aus der Gegenwart wurde das "Diktatorische" in der Demokratie diskutiert, etwa die Manipulierbarkeit der Menschen durch die Medien, die Abneigung derjenigen, die an der Macht sind, vom Schuldirektor bis hin zum Präsidenten, wirklich demokratische Entscheidungsprozesse zur Geltung kommen zu lassen,

- Die Verantwortung der Machthaber am Gelingen eines Systems. Die Möglichkeit einer gütigen Monarchie kam ebenso zur Sprache wie das Kriegspotenzial demokratischer Staaten, auch gegen den Willen der eigenen Bevölkerung. Die halb-monarchischen skandinavischen Staaten kamen mehrfach zur Sprache. Teil dieser Diskussion war ein spannender Moment, als ein arabischer Teilnehmer die guten Züge von Saddam Husseins Herrschaft hervorhob: die Einführung der kurdischen Selbstverwaltung und Kulturautonomie, die massiven Investitionen in Infrastruktur und Bildung und der resultierende relative Wohlstand usw. Die Widerrede kam prompt: Genauso hatte man über Hitler gesprochen, der ja die Autobahn gebaut und die Arbeitslosigkeit abgeschafft habe.

- Die Stelle der Freiheit. Es wurde festgestellt, dass die Freiheit nicht das krasse Gegenteil der Diktatur ist. Es gibt unter jeder Diktatur Freiheiten und in jeder Demokratie erhebliche Einschränkungen. Die Rolle der USA und deren Anspruch, ein Vorbild der Demokratie und der Freiheit zu sein, wurde auch einige Male und eher kritisch erwähnt.

- Als Unterschied zwischen diktatorischen und demokratischen Staaten wurde die Rechtsstaatlichkeit betont. Sogar dies erlebte jedoch eine Relativierung, da es auch in Diktaturen nicht immer gänzlich willkürlich und unter Demokratien nicht immer fair, gerecht und nach dem Gesetz vorgegangen wird. Hier habe ich gehofft, dass die Araber von ihren Erfahrungen mit dem deutschen Rechtsstaat oder von der erlebten Willkür in Deutschland oder in ihren jeweiligen Heimatländern erzählen würden. Dies würde jedoch nur angedeutet.

- Ein Thema gegen Ende des Abends war die Rolle der Wirtschaft als Zwangssystem und die Rolle des Staates dabei.

Einige Stimmen waren am Schluss über die Gesamtsituation in der Welt trotz des eher pessimistischen Grundtons der Diskussion eher optimistisch eingestellt. Wir hatten ja allerlei Gründe erörtert, warum wir alle unter diversen politischen und wirtschaftlichen Zwängen leben. Dennoch seien einige globale Trends nicht zu vernachlässigen. Gemeint waren Faktoren wie das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten und die Umbruchstimmung in Lateinamerika. Es blieb keine Zeit, auf diese Trends inhaltlich einzugehen oder kritisch zu durchleuchten.


Kommentar: Ich war enttäuscht, dass die Diskussion auf einem derart abstrakten Niveau geführt wurde. Es gab einige persönlichen Beispielen, wie die Geschichten aus der Nazizeit und einigen Anekdoten aus dem jetzigen Leben. Dennoch haben die Araber, von denen einige unmittelbare Diktaturerfahrungen gemacht haben, zum größten Teil dazu geschwiegen. Ist dies selbst ein Ergebnis der Diktatur? Spätestens dann, als vor ein paar Jahren einige Araber Angst davor hatten, dass ein Vertreter der U.S.-Botschaft mit in der Runde saß, wurde uns klar, dass unsere unterschiedlichen Erfahrungen nicht nur den Stoff für unterschiedliche Erzählungen liefern, sondern auch den Rahmen vorgeben, innerhalb dessen diese Geschichten überhaupt abgebildet werden können.

Da Diskussionsbedarf weiter besteht, haben wir uns entschieden, das Thema im April fortzusetzen.

Sunday, 8. February 2009

Begeisterung der Ägypter für Obama lässt wegen des Gaza-Krieges stark nach...

Dialogteilnehmer werden sich für diesen interessanten Artikel über die Wahrnehmung von Obama in Ägypten interessieren:
http://www.nytimes.com/2009/02/08/opinion/08nisbett.html?th=&emc=th&pagewanted=print

Die Menschen in Ägypten sehen im amerikanischen System etwas faires, das sie in Ägypten nicht haben und in Obama einen Menschen, der ein Ergebnis von diesem System ist - etwas undenkbares in Ägypten. Aber seine Passivität im Gaza-Krieg, vor und nach seinem Amtsantritt, lässt das Interesse an ihn in Ägypten schnell verblassen. Sein Interview mit Al Arabiya wurde nur wenig beachtet.

Friday, 19. December 2008

Arabisch-Amerikanischer Dialog - Ankündigung

Achtung! Um 20:15 Uhr am 20. Januar 2009 findet im Hölderlinturm zu Tübingen eine Lesung von Ali Ahmed Said ("Adonis") statt. Er gilt als einer der prominentesten und wichtigsten arabischen Dichter und Essayisten der Gegenwart. Er liest in arabischer Sprache seine Gedichte mit deutscher Übersetzung vor.

Wir werden uns überlegen, ob wir nicht einen Text von ihm zum Thema für den Dialog am 21. Januar nehmen oder sonstwie seinen Besuch thematisch integrieren können.

Thursday, 11. December 2008

Arabisch-Amerikanischer Dialog im Dezember...

Der letzte Dialog des Jahres 2008 wird am Abend des 17. Dezember im d.a.i. sein. Wir werden uns von der Gründerin und bisherigen Ko-Moderatorin Penny P. verabschieden und einen neuen amerikanischen Ko-Moderator (mich) begrüssen. Penny wird weiterhin am Dialog teilnehmen, gibt aber ihre führende Rolle ab.

Der Abend wir aus einer verkürzten Dialogzeit und einer Musikdarbietung bestehen. Beginn ist wie immer um 20:15 Uhr.

Monday, 24. November 2008

Arabisch-amerikansicher Dialog ab 2009...

Ich "publiziere" folgende Überlegungen, ohne, dass ich dies vorher mit Penny, Muhannad oder anderen Dialogteilnehmern abgesprochen habe und bitte um Stellungnahmen als "Kommentar" hier im Blog oder bei der Diskussion im Dezember. Dies soll als Vorschlag, als Diskussionsgrundlage dienen, und keinesfalls als fester Vorsatz.

Meine Vision für den Dialog wäre es, jeden Abend mit einem etwas aufwändigeren Einstieg zu beginnen und dabei uns nicht zu scheuen, den Teilnehmern mehr zu kauen zu geben. Meine schönsten Erinnerungen und Erfahrungen im Dialog waren die Abende, wo die Themenvorgaben konkret waren oder die Diskussionsinhalte eine Weile stehen blieben:

- die Diskussion über das amerikansiche Erntedankfest und das arabische Fasten

- die Diskussion über die Erzählung von Abraham und Ismael / Abraham und Isaak. Die Geschichte ist einfach, aber sie hat in den zwei, drei Kulturen, mit denen wir zu tun haben, einen ganz anderen Stellenwert. Die Diskussion war super.

- die Erzählungen der Iraker über ihre Erfahrungen in der Heimat (die Wahlen, die Zerstörung, die Entstehung der ethnischen Animositäten unter Kriegsbedingungen usw.)

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wird es mein Bestreben sein, konkretere Themen als bisher vorzugeben und mit konkreterem "Stoff" einzuleiten. Dies könnte sein:

* Ein Araber oder ein Amerikaner (Frauen sind selbstverständlich mitgemeint) stellt sich vor. Über 10 bis 20 Minuten beschreibt diese Person ihre Heimat, ihr Aufwachsen, ihre Familie, usw. Bilder oder Landkarten wilkommen.

* Kurze Lesungen aus der amerikanischen oder arabischen Literatur. Ich habe schon einige Ideen aus der Essayistik beider Kulturen und aus Reiseberichten. Ich neige dazu, Texte zu suchen, die als urtypisch oder überraschend (zumindest für die andere Kultur) untypisch gelten können. Märchen oder Witze sind auch denkbar. Ich habe erst in Russland wirklich gespürt, dass andere Kulturen über ganz andere Dinge lachen.

* Zu politischen Themen, die meines Erachtens wichtig bleiben aber dennoch nur selten vordergründig sein sollen, soll im Voraus mehr Details, mehr Kontext, mehr "Wissen" zur Verfügung gestellt werden. Ich würde dabei auch gerne mal ausführlicher über die Politik in den arabischen Ländern erfahren. Wir haben das U.S.-System immer wieder auf und 'runter dekliniert. Wie lebt sich es mit Mubarek oder Assad?

* Bilder (Kunst, Fotografie, oder gar gemeinsam malen?)

* Spiele (Spielen Araber "Scharaden"?)

In jedem Fall gilt es natürlich, Vorsicht walten zu lassen. Es müssen Einführungen sein, die in deutscher Sprache, relativ leicht verdaulich, und in 5 bis 15 Minuten vorgetragen werden können. Es können Kopien verteilt, aber es dürfen keine "Hausaufgaben" aufgegeben werden, und die vermittelte Materie muss für verschiedene Gesprächsmöglichkeiten "offen" sein ("open ended"). Mit der Vorgabe konkreterer Themen verbindet sich die Gefahr, die bisherige offene Form einzuengen. Das Ziel wäre es, durch eine gewisse Einengung, an Schärfe zu gewinnen, ohne aber dabei so eingeeingt werden, dass an einem Abend die Ideen ausgehen. Ich bin durch meine bisherige Laufbahn viel eher mit Diskussion als mit "Dialog" vertraut. Ich bin mir aber dessen bewusst und möchte keinesfalls zu revolutionären Veränderungen aufrufen.

Das Einführungsmaterial oder Thema muss so sein, dass es durch die Erfahrung der Teilnehmer ergänzt und diskutiert werden kann. Das war der Vorteil der allgemeineren Themen bisher. Keinesfalls kann es dazu kommen, dass alles, was diskutiert werden kann, schon in dem "Vor-Trag" mitgeliefert wird. Als Beispiel können zwei Themenideen hier angeschnitten werden.

(1)
Es gibt einige Artikel und Bücher anhand deren man die amerikanische Reaktion auf Sputnik im Oktober 1957 präsentieren könnte. Einer von uns könnte vielleicht ähnliche Quellen für die Situation in den arabischen Ländern ausgraben. So hätten wir zwei nette Beiträge, die einiges über die zwei Kulturen im 20. Jht. aussagen. So etwas wäre für eine akademische Veranstaltung sehr interessant, meine ich. Aber für den Dialog würde ich das Thema für ungeeignet halten. Einige Teilnehmer können sich an Sputnik erinnern und jedes dramatische Ereignis lässt sich mit Erfahrungen irgendwie vergleichen (z.B. mit dem 11. September). Dennoch kommt mir das Thema für den Dialog zu historisch und zu verkopft vor.

(2)
Nehmen wir jedoch Textausschnitte von arabischen und amerikanischen Autoren der jeweiligen "Renaissance" (1840-1860 in den USA; Nahda, 19.-frühes 20. Jht. in Arabien) haben wir dagegen Texte, deren kulturellen Zusammenhang man kurz erläutern kann, aber, die auch für sich stehen können und Themen anschneiden, die uns heute noch bewegen. Thoreau oder Emerson, Kawakibi oder Aflaq oder gar der noch lebende Autor Adonis (Ali Ahmed Said) sind Autoren, die nicht so sehr an ihre Zeit gebunden sind. In der Tat erreichten Autoren wie Thoreau oder Kawakibi ihre grösste Wirkung erst viel später, nach ihrem Tod. Man könnte sie so präsentieren, dass Stoff für einen Dialog entsteht, ohne sich dabei in historischen Details zu verlieren. Es geht dabei um Sinnbilder, Nation und Politik, Unterdrückung und Freiheit, Religion, Natur, Freundschaft - ewige Themen.

Arabisch-amerikansicher Dialog im November 2008 im Zeichen Obamas und...steht der Dialog vor dem Ende?

23 Teilnehmer kamen zum d.a.i. zum arabisch-amerikanischen Dialog am 16. November. Leider war von amerikanischen Teilnehmern kaum etwas zu spüren - wir waren nur zwei, die Moderatorin und ich. Es waren sieben Arabisch-stämmige unter den Teilnehmern.

Das Thema sollte zur Wahl gestellt werden. Es gab Stimmen sowohl für "Was erwarten wir von Obama?" als auch, "Was können die westliche und die muslimische Welt tun, um ihrem Wut auf einander zu entkommen?" Wir fingen mit Obama an und der Übergang zu einer allgemeinen Diskussion zum neuen Ost-West Konflikt war fließend.

Eine junge Araberin began die Diskussion über Obama mit einem Bericht über ihre Reise in die USA. Sie erzählte, wie überrascht sie von den Amerikanern war, wie gesprächs- und kontaktfreudig und wie freundlich und hilfsbereit sie wirkten. Dies alles entsprach überhaupt nicht dem Bild, das sie von den USA über die Schule vermittelt bekam - das von der amerikanischen Aussenpolitik geprägte Bild der arroganten, ignoranten Supermacht. Sie wurde über das Niveau der dortigen Ausbildung gefragt und verglich die High School mit dem deutschen Abitur (aber nicht mit der Haupt- oder Realschule). Gefragt, ob sie dort leben könnte, wo die Frauen "halb nackt" herumlaufen, erzählte sie davon, wie ihre Eltern schon aus zwei Kulturkreisen stammen (Araber und Berber) und immer auf Offenheit und Flexibilität Wert gelegt hätten.

Danach ging es dann doch um den Obama. Ein Araber meinte, seine Wahl hätte schon jetzt den Wut der Araber z.T. schon besänftigt. Gerade die Bereitschaft nicht nur über den Iran, sondern sogar mit dem Iran zu reden, hat schon ein Zeichen gesetzt. Er hoffe auf Zusammenarbeit. Er erzählte, dass seine Eltern eigentlich nie viel von den Amerikanern gehalten oder viele Hoffnungen auf Amerika gesetzt hätten. Dieses mal, meinte er, sei das anders.

Dann gab es eine etwas frustrierende Diskussion darüber, ob Obama bei Muslimen überall auf der Welt eigentlich als Muslim oder, eigentlich, als Abtrünniger gelten soll. Es stehe im Koran, dass einer, der einmal Muslim gewesen ist, aber dem Glauben den Rücken kehrt, mit dem Tode bestraft werden soll. Die anwesenden Araber hielten die Frage für mußig oder bestreitbar. Es ging um die religiöse Herkunft und Auslegungen verschiedener Varianten des Islams. Die Gefahr eines Attentats durch rassistische Amerikaner wurde aus angesprochen.

Danach sprachen wir über den Wahlkampf. Ein Araber fragte, wieso es in der amerikanischen Öffentlichkeit als schlecht gelte, mit dem Islam zu tun zu haben. Rassismus im Wahlkampf hatte ja auch eine Rolle gespielt. Da ergriff ich das Wort und gab zu, dass solche Faktoren mit schwingen. Dennoch, so meine Rede, stimmt die Richtung. Mehr Weisse hätten für Obama gestimmt als für irgend einen Demokraten seit 1976. Die Richtung, die Tendenz stimmt. Frankreich oder Schweden sollte uns das erstmal nachmachen. Die Amerikanerin, die im Süden aufgewachsen ist und immer noch dort zu Besuch fährt, betonte, dass der Rassismus weiterbestehe. Andere erwähnten die Möglichkeit, die schon Collin Powell bestanden hatte. Darauf folgte ein kurzes Gespräch über Obama's Rasse und die Rolle seiner Frau. Seine Soziale Herkunft und seine internationale Erfahrung und seine Lernfähigkeit kamen auch zur Sprache.

Mehrere Teilnehmer druckten ihre Hoffnung aus - Hoffnung in Obama, Hoffnung, dass damit Amerika sich wandelt. Es kam auch kritische Stimmen hoch, die meinten, das System ist wahrscheinlich so korrupt und träge, dass nicht viel passieren wird. Ein deutscher Student war der Ansicht, dass, wenn Obama irgendwie scheitern soll, das Vertrauen in die USA auf lange Zeit dahin sein wird. Wenn so einer es nicht schafft, wer dann? Jedenfalls waren alle in der Runde, die Araber ganz besonders, der Meinung, dass Obama uns nicht "retten" kann. Er ist eben kein Messias.

Obama's Auftritt vor dem AIPAC und seinen nur sehr kurzen Besuch in Palästina waren auch Thema. Da waren die Araber geteilter Meinung. Die einen sahen darin ein Zeichen, dass sich nichts ändert. Andere meinten, das seien doch nur Riten, der jeder Kandidat absolvieren muss. Interessant fand die Runde, dass Obama in allen Ländern der Welt der populärere Kandidat war - ausser in Israel.

Die Möglichkeiten, Obama und überhaupt die Regierung der Vereinigten Staaten zu beeinflussen, kamen in abstrakter Form zur Sprache. Es gebe ja in den Staaten jetzt eine breite Friedensbewegung z.B., die jetzt nicht aufgeben durfe, im Gegenteil mussten alle weitermachen und Gehör verschaffen. Obama wirkt wie einer, der zuhört.

Der Australier in der Runde fragte, ob der Sieg Obamas die Glaubwürdigkeit der Terroristen untergraben hätte. Al Qaeda würde behaupten z.B., dass die USA dem Islam den Krieg erklärt hätte. Die anwesenden Araber wollten das nicht ernstnehmen. Irgendwelche derartigen Behauptungen seitens al Qaeda würden keine wesentliche Rolle spielen. Ferner hätte der Terrorismus im Wahlkampf keine wesentliche Rolle gespielt. Eine kritische Stimme meinte, die USA könnten doch gar nicht in einem friedlichen System existieren und die Wirtschaftskrise würde ihm sowieso die Hände binden. Und hinter ihm würde ja ein mächtiges Lobby stehen.

No more AA-Dialogue?

Nach der Pause wurde bekanntgegeben, dass der arabisch-amerikansiche Dialog mit dem Ausscheiden der jetzigen Moderatorin in ihrer Rolle zuende gehen würde. Das wurde von der Leitung des d.a.i.s und des Vereins Arabischer Akademiker entschieden, nachdem die Moderatoren auch den Eindruck hatten, der Dialog hätte seinen Dienst getan. Da hagelte es mächtig Protest aus allen Ecken und es wurde beschlossen, diese Sorge den Entscheidungsträgern zu unterbreiten und sich für die Fortsetzung des Dialogs einzusetzen.

Wenige Tage später stand schon fest, dass der Dialog auch im nächsten Jahr weiterbestehen werde.

Thursday, 17. July 2008

Arab-American Dialogue im Juli...

24 Teilnehmer (sechs Amerikaner, vier Araber) kamen zum letzten Arabisch-Amerikansichen Dialog vor der Sommerpause. Wir begannen ausnahmsweise mit einem Lied. Ich begleitete Bobby Darin's 1969 "Simple Song of Freedom" auf dem Banjo. Alle sangen mit.

Ich habe allerdings den Text geändert. Ich lasse die Strophen weg, die eindeutig in die Zeit des Kalten Krieges hingehören und ersetze die Strophe über "Mr. black man, can you hear me?" mit dieser:

Hello, Mr. Arab, can you hear me?
I don't want your oil or your land
I just want to be someone known to you as me
Someone eye to eye and hand in hand...
Der Dialog begann mit einer Diskussion darüber, was für ein Thema wir uns vornehmen sollen. Vorschläge gab es viele. Einige:

- Das Amerikabild in der arabischen Welt
- Arabische Diktaturen
- gesellschaftliche Utopien
- Wo gelingt etwas in diesen Gesellschaften? Wo gibt es Dialog, Friedensbewegungen, Zusammenarbeit?
- Welchen Politikern kann man vertrauen und warum?
- Wie hat man sich hier in Deutschland eingelebt?
- USA und Israel


Es gab auch allgemeine Fragen zum Dialog: Haben wir überhaupt die Freiheit, über solche Themen frei zu diskutieren? Was machen wir, wenn es laut wird? Was erwarten die Neuankömmlinge? Brauchen wir neue Regel?

Hintergründ dieser grundsätzlicheren Überlegungen war der "Zwischenfall" vom letzten Mal, wo eine amerikanische Frau mitten im Dialog aufgestanden und aus der Runde ausgestürmt war.

Als Themenvorschlag kam dann:

- Wo gibt es (hier, im Iran, in den USA, anderswo) Denkverbote?
Somit begann eine Diskussion zur Holocaustleugnung im Iran und was der iranische Präsident gesagt oder nicht gesagt hatte, die Rolle der USA in der iranischen Geschichte, Atomwaffen, die Last der Geschichte, Lebanon und ähnliches mehr. Die Runde war eine lange Zeit ziemlich durcheinander und wir wanderten fröhlich von einem Thema zum nächsten. Es ging aber vor allem um den Iran, einen möglichen Krieg, eine iranische Atombombe, die "Mutually Assured Desctruction"-Doktrine usw. Es gab natürlich Stimmen, die für eine völlige Abschaffung aller Atomwaffen waren. Wie das gehen soll, kam aber nicht zur Sprache.

Spannend wurde es, als ein Israeli in der Runde, die Diskussion über den Holocaust zum Anlass nahm, über seine Zeit der IDF zu sprechen. Dabei nannte er die IDF, "the most moral army in the world." Er sei stolz, Soldat in einer moralischen Armee zu sein. Das zog heftigen Widerspruch auf sich, aber überraschenderweise nicht von den anwesenden Arabern, sondern zuerst vom Quotenaustralier. So eine Äusserung könne nicht so stehen gelassen werden. Alleine im Libanonkrieg seien 900+ Zivilisten umgekommen. Einige IDF-Angehörige, so der Redner, gehören vor dem Haager Tribunal. Der Isreali entschuldigte sich dafür, falls andere sich so fühlen, wollte aber nochmal wissen, wie die Frage lautet. Der Australier fragte dann ganz direkt: Kann eine moralische Armee acht bis neun mal soviele Zivilisten als Kombattanten umbringen? Der Israeli entschied, das so stehen zu lassen und nicht darauf zu antworten, was von der Runde akzeptiert wurde.
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