Arabisch-amerikansicher Dialog im November 2008 im Zeichen Obamas und...steht der Dialog vor dem Ende?
23 Teilnehmer kamen zum d.a.i. zum arabisch-amerikanischen Dialog am 16. November. Leider war von amerikanischen Teilnehmern kaum etwas zu spüren - wir waren nur zwei, die Moderatorin und ich. Es waren sieben Arabisch-stämmige unter den Teilnehmern.
Das Thema sollte zur Wahl gestellt werden. Es gab Stimmen sowohl für "Was erwarten wir von Obama?" als auch, "Was können die westliche und die muslimische Welt tun, um ihrem Wut auf einander zu entkommen?" Wir fingen mit Obama an und der Übergang zu einer allgemeinen Diskussion zum neuen Ost-West Konflikt war fließend.
Eine junge Araberin began die Diskussion über Obama mit einem Bericht über ihre Reise in die USA. Sie erzählte, wie überrascht sie von den Amerikanern war, wie gesprächs- und kontaktfreudig und wie freundlich und hilfsbereit sie wirkten. Dies alles entsprach überhaupt nicht dem Bild, das sie von den USA über die Schule vermittelt bekam - das von der amerikanischen Aussenpolitik geprägte Bild der arroganten, ignoranten Supermacht. Sie wurde über das Niveau der dortigen Ausbildung gefragt und verglich die High School mit dem deutschen Abitur (aber nicht mit der Haupt- oder Realschule). Gefragt, ob sie dort leben könnte, wo die Frauen "halb nackt" herumlaufen, erzählte sie davon, wie ihre Eltern schon aus zwei Kulturkreisen stammen (Araber und Berber) und immer auf Offenheit und Flexibilität Wert gelegt hätten.
Danach ging es dann doch um den Obama. Ein Araber meinte, seine Wahl hätte schon jetzt den Wut der Araber z.T. schon besänftigt. Gerade die Bereitschaft nicht nur über den Iran, sondern sogar mit dem Iran zu reden, hat schon ein Zeichen gesetzt. Er hoffe auf Zusammenarbeit. Er erzählte, dass seine Eltern eigentlich nie viel von den Amerikanern gehalten oder viele Hoffnungen auf Amerika gesetzt hätten. Dieses mal, meinte er, sei das anders.
Dann gab es eine etwas frustrierende Diskussion darüber, ob Obama bei Muslimen überall auf der Welt eigentlich als Muslim oder, eigentlich, als Abtrünniger gelten soll. Es stehe im Koran, dass einer, der einmal Muslim gewesen ist, aber dem Glauben den Rücken kehrt, mit dem Tode bestraft werden soll. Die anwesenden Araber hielten die Frage für mußig oder bestreitbar. Es ging um die religiöse Herkunft und Auslegungen verschiedener Varianten des Islams. Die Gefahr eines Attentats durch rassistische Amerikaner wurde aus angesprochen.
Danach sprachen wir über den Wahlkampf. Ein Araber fragte, wieso es in der amerikanischen Öffentlichkeit als schlecht gelte, mit dem Islam zu tun zu haben. Rassismus im Wahlkampf hatte ja auch eine Rolle gespielt. Da ergriff ich das Wort und gab zu, dass solche Faktoren mit schwingen. Dennoch, so meine Rede, stimmt die Richtung. Mehr Weisse hätten für Obama gestimmt als für irgend einen Demokraten seit 1976. Die Richtung, die Tendenz stimmt. Frankreich oder Schweden sollte uns das erstmal nachmachen. Die Amerikanerin, die im Süden aufgewachsen ist und immer noch dort zu Besuch fährt, betonte, dass der Rassismus weiterbestehe. Andere erwähnten die Möglichkeit, die schon Collin Powell bestanden hatte. Darauf folgte ein kurzes Gespräch über Obama's Rasse und die Rolle seiner Frau. Seine Soziale Herkunft und seine internationale Erfahrung und seine Lernfähigkeit kamen auch zur Sprache.
Mehrere Teilnehmer druckten ihre Hoffnung aus - Hoffnung in Obama, Hoffnung, dass damit Amerika sich wandelt. Es kam auch kritische Stimmen hoch, die meinten, das System ist wahrscheinlich so korrupt und träge, dass nicht viel passieren wird. Ein deutscher Student war der Ansicht, dass, wenn Obama irgendwie scheitern soll, das Vertrauen in die USA auf lange Zeit dahin sein wird. Wenn so einer es nicht schafft, wer dann? Jedenfalls waren alle in der Runde, die Araber ganz besonders, der Meinung, dass Obama uns nicht "retten" kann. Er ist eben kein Messias.
Obama's Auftritt vor dem AIPAC und seinen nur sehr kurzen Besuch in Palästina waren auch Thema. Da waren die Araber geteilter Meinung. Die einen sahen darin ein Zeichen, dass sich nichts ändert. Andere meinten, das seien doch nur Riten, der jeder Kandidat absolvieren muss. Interessant fand die Runde, dass Obama in allen Ländern der Welt der populärere Kandidat war - ausser in Israel.
Die Möglichkeiten, Obama und überhaupt die Regierung der Vereinigten Staaten zu beeinflussen, kamen in abstrakter Form zur Sprache. Es gebe ja in den Staaten jetzt eine breite Friedensbewegung z.B., die jetzt nicht aufgeben durfe, im Gegenteil mussten alle weitermachen und Gehör verschaffen. Obama wirkt wie einer, der zuhört.
Der Australier in der Runde fragte, ob der Sieg Obamas die Glaubwürdigkeit der Terroristen untergraben hätte. Al Qaeda würde behaupten z.B., dass die USA dem Islam den Krieg erklärt hätte. Die anwesenden Araber wollten das nicht ernstnehmen. Irgendwelche derartigen Behauptungen seitens al Qaeda würden keine wesentliche Rolle spielen. Ferner hätte der Terrorismus im Wahlkampf keine wesentliche Rolle gespielt. Eine kritische Stimme meinte, die USA könnten doch gar nicht in einem friedlichen System existieren und die Wirtschaftskrise würde ihm sowieso die Hände binden. Und hinter ihm würde ja ein mächtiges Lobby stehen.
No more AA-Dialogue?
Nach der Pause wurde bekanntgegeben, dass der arabisch-amerikansiche Dialog mit dem Ausscheiden der jetzigen Moderatorin in ihrer Rolle zuende gehen würde. Das wurde von der Leitung des d.a.i.s und des Vereins Arabischer Akademiker entschieden, nachdem die Moderatoren auch den Eindruck hatten, der Dialog hätte seinen Dienst getan. Da hagelte es mächtig Protest aus allen Ecken und es wurde beschlossen, diese Sorge den Entscheidungsträgern zu unterbreiten und sich für die Fortsetzung des Dialogs einzusetzen.
Wenige Tage später stand schon fest, dass der Dialog auch im nächsten Jahr weiterbestehen werde.
Das Thema sollte zur Wahl gestellt werden. Es gab Stimmen sowohl für "Was erwarten wir von Obama?" als auch, "Was können die westliche und die muslimische Welt tun, um ihrem Wut auf einander zu entkommen?" Wir fingen mit Obama an und der Übergang zu einer allgemeinen Diskussion zum neuen Ost-West Konflikt war fließend.
Eine junge Araberin began die Diskussion über Obama mit einem Bericht über ihre Reise in die USA. Sie erzählte, wie überrascht sie von den Amerikanern war, wie gesprächs- und kontaktfreudig und wie freundlich und hilfsbereit sie wirkten. Dies alles entsprach überhaupt nicht dem Bild, das sie von den USA über die Schule vermittelt bekam - das von der amerikanischen Aussenpolitik geprägte Bild der arroganten, ignoranten Supermacht. Sie wurde über das Niveau der dortigen Ausbildung gefragt und verglich die High School mit dem deutschen Abitur (aber nicht mit der Haupt- oder Realschule). Gefragt, ob sie dort leben könnte, wo die Frauen "halb nackt" herumlaufen, erzählte sie davon, wie ihre Eltern schon aus zwei Kulturkreisen stammen (Araber und Berber) und immer auf Offenheit und Flexibilität Wert gelegt hätten.
Danach ging es dann doch um den Obama. Ein Araber meinte, seine Wahl hätte schon jetzt den Wut der Araber z.T. schon besänftigt. Gerade die Bereitschaft nicht nur über den Iran, sondern sogar mit dem Iran zu reden, hat schon ein Zeichen gesetzt. Er hoffe auf Zusammenarbeit. Er erzählte, dass seine Eltern eigentlich nie viel von den Amerikanern gehalten oder viele Hoffnungen auf Amerika gesetzt hätten. Dieses mal, meinte er, sei das anders.
Dann gab es eine etwas frustrierende Diskussion darüber, ob Obama bei Muslimen überall auf der Welt eigentlich als Muslim oder, eigentlich, als Abtrünniger gelten soll. Es stehe im Koran, dass einer, der einmal Muslim gewesen ist, aber dem Glauben den Rücken kehrt, mit dem Tode bestraft werden soll. Die anwesenden Araber hielten die Frage für mußig oder bestreitbar. Es ging um die religiöse Herkunft und Auslegungen verschiedener Varianten des Islams. Die Gefahr eines Attentats durch rassistische Amerikaner wurde aus angesprochen.
Danach sprachen wir über den Wahlkampf. Ein Araber fragte, wieso es in der amerikanischen Öffentlichkeit als schlecht gelte, mit dem Islam zu tun zu haben. Rassismus im Wahlkampf hatte ja auch eine Rolle gespielt. Da ergriff ich das Wort und gab zu, dass solche Faktoren mit schwingen. Dennoch, so meine Rede, stimmt die Richtung. Mehr Weisse hätten für Obama gestimmt als für irgend einen Demokraten seit 1976. Die Richtung, die Tendenz stimmt. Frankreich oder Schweden sollte uns das erstmal nachmachen. Die Amerikanerin, die im Süden aufgewachsen ist und immer noch dort zu Besuch fährt, betonte, dass der Rassismus weiterbestehe. Andere erwähnten die Möglichkeit, die schon Collin Powell bestanden hatte. Darauf folgte ein kurzes Gespräch über Obama's Rasse und die Rolle seiner Frau. Seine Soziale Herkunft und seine internationale Erfahrung und seine Lernfähigkeit kamen auch zur Sprache.
Mehrere Teilnehmer druckten ihre Hoffnung aus - Hoffnung in Obama, Hoffnung, dass damit Amerika sich wandelt. Es kam auch kritische Stimmen hoch, die meinten, das System ist wahrscheinlich so korrupt und träge, dass nicht viel passieren wird. Ein deutscher Student war der Ansicht, dass, wenn Obama irgendwie scheitern soll, das Vertrauen in die USA auf lange Zeit dahin sein wird. Wenn so einer es nicht schafft, wer dann? Jedenfalls waren alle in der Runde, die Araber ganz besonders, der Meinung, dass Obama uns nicht "retten" kann. Er ist eben kein Messias.
Obama's Auftritt vor dem AIPAC und seinen nur sehr kurzen Besuch in Palästina waren auch Thema. Da waren die Araber geteilter Meinung. Die einen sahen darin ein Zeichen, dass sich nichts ändert. Andere meinten, das seien doch nur Riten, der jeder Kandidat absolvieren muss. Interessant fand die Runde, dass Obama in allen Ländern der Welt der populärere Kandidat war - ausser in Israel.
Die Möglichkeiten, Obama und überhaupt die Regierung der Vereinigten Staaten zu beeinflussen, kamen in abstrakter Form zur Sprache. Es gebe ja in den Staaten jetzt eine breite Friedensbewegung z.B., die jetzt nicht aufgeben durfe, im Gegenteil mussten alle weitermachen und Gehör verschaffen. Obama wirkt wie einer, der zuhört.
Der Australier in der Runde fragte, ob der Sieg Obamas die Glaubwürdigkeit der Terroristen untergraben hätte. Al Qaeda würde behaupten z.B., dass die USA dem Islam den Krieg erklärt hätte. Die anwesenden Araber wollten das nicht ernstnehmen. Irgendwelche derartigen Behauptungen seitens al Qaeda würden keine wesentliche Rolle spielen. Ferner hätte der Terrorismus im Wahlkampf keine wesentliche Rolle gespielt. Eine kritische Stimme meinte, die USA könnten doch gar nicht in einem friedlichen System existieren und die Wirtschaftskrise würde ihm sowieso die Hände binden. Und hinter ihm würde ja ein mächtiges Lobby stehen.
No more AA-Dialogue?
Nach der Pause wurde bekanntgegeben, dass der arabisch-amerikansiche Dialog mit dem Ausscheiden der jetzigen Moderatorin in ihrer Rolle zuende gehen würde. Das wurde von der Leitung des d.a.i.s und des Vereins Arabischer Akademiker entschieden, nachdem die Moderatoren auch den Eindruck hatten, der Dialog hätte seinen Dienst getan. Da hagelte es mächtig Protest aus allen Ecken und es wurde beschlossen, diese Sorge den Entscheidungsträgern zu unterbreiten und sich für die Fortsetzung des Dialogs einzusetzen.
Wenige Tage später stand schon fest, dass der Dialog auch im nächsten Jahr weiterbestehen werde.
mhatlie - 24. Nov, 17:08 Topic: Arab-American Dialogue http://hatlie.twoday.net/stories/5342617/
