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Arabisch-amerikansicher Dialog ab 2009...

Ich "publiziere" folgende Überlegungen, ohne, dass ich dies vorher mit Penny, Muhannad oder anderen Dialogteilnehmern abgesprochen habe und bitte um Stellungnahmen als "Kommentar" hier im Blog oder bei der Diskussion im Dezember. Dies soll als Vorschlag, als Diskussionsgrundlage dienen, und keinesfalls als fester Vorsatz.

Meine Vision für den Dialog wäre es, jeden Abend mit einem etwas aufwändigeren Einstieg zu beginnen und dabei uns nicht zu scheuen, den Teilnehmern mehr zu kauen zu geben. Meine schönsten Erinnerungen und Erfahrungen im Dialog waren die Abende, wo die Themenvorgaben konkret waren oder die Diskussionsinhalte eine Weile stehen blieben:

- die Diskussion über das amerikansiche Erntedankfest und das arabische Fasten

- die Diskussion über die Erzählung von Abraham und Ismael / Abraham und Isaak. Die Geschichte ist einfach, aber sie hat in den zwei, drei Kulturen, mit denen wir zu tun haben, einen ganz anderen Stellenwert. Die Diskussion war super.

- die Erzählungen der Iraker über ihre Erfahrungen in der Heimat (die Wahlen, die Zerstörung, die Entstehung der ethnischen Animositäten unter Kriegsbedingungen usw.)

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wird es mein Bestreben sein, konkretere Themen als bisher vorzugeben und mit konkreterem "Stoff" einzuleiten. Dies könnte sein:

* Ein Araber oder ein Amerikaner (Frauen sind selbstverständlich mitgemeint) stellt sich vor. Über 10 bis 20 Minuten beschreibt diese Person ihre Heimat, ihr Aufwachsen, ihre Familie, usw. Bilder oder Landkarten wilkommen.

* Kurze Lesungen aus der amerikanischen oder arabischen Literatur. Ich habe schon einige Ideen aus der Essayistik beider Kulturen und aus Reiseberichten. Ich neige dazu, Texte zu suchen, die als urtypisch oder überraschend (zumindest für die andere Kultur) untypisch gelten können. Märchen oder Witze sind auch denkbar. Ich habe erst in Russland wirklich gespürt, dass andere Kulturen über ganz andere Dinge lachen.

* Zu politischen Themen, die meines Erachtens wichtig bleiben aber dennoch nur selten vordergründig sein sollen, soll im Voraus mehr Details, mehr Kontext, mehr "Wissen" zur Verfügung gestellt werden. Ich würde dabei auch gerne mal ausführlicher über die Politik in den arabischen Ländern erfahren. Wir haben das U.S.-System immer wieder auf und 'runter dekliniert. Wie lebt sich es mit Mubarek oder Assad?

* Bilder (Kunst, Fotografie, oder gar gemeinsam malen?)

* Spiele (Spielen Araber "Scharaden"?)

In jedem Fall gilt es natürlich, Vorsicht walten zu lassen. Es müssen Einführungen sein, die in deutscher Sprache, relativ leicht verdaulich, und in 5 bis 15 Minuten vorgetragen werden können. Es können Kopien verteilt, aber es dürfen keine "Hausaufgaben" aufgegeben werden, und die vermittelte Materie muss für verschiedene Gesprächsmöglichkeiten "offen" sein ("open ended"). Mit der Vorgabe konkreterer Themen verbindet sich die Gefahr, die bisherige offene Form einzuengen. Das Ziel wäre es, durch eine gewisse Einengung, an Schärfe zu gewinnen, ohne aber dabei so eingeeingt werden, dass an einem Abend die Ideen ausgehen. Ich bin durch meine bisherige Laufbahn viel eher mit Diskussion als mit "Dialog" vertraut. Ich bin mir aber dessen bewusst und möchte keinesfalls zu revolutionären Veränderungen aufrufen.

Das Einführungsmaterial oder Thema muss so sein, dass es durch die Erfahrung der Teilnehmer ergänzt und diskutiert werden kann. Das war der Vorteil der allgemeineren Themen bisher. Keinesfalls kann es dazu kommen, dass alles, was diskutiert werden kann, schon in dem "Vor-Trag" mitgeliefert wird. Als Beispiel können zwei Themenideen hier angeschnitten werden.

(1)
Es gibt einige Artikel und Bücher anhand deren man die amerikanische Reaktion auf Sputnik im Oktober 1957 präsentieren könnte. Einer von uns könnte vielleicht ähnliche Quellen für die Situation in den arabischen Ländern ausgraben. So hätten wir zwei nette Beiträge, die einiges über die zwei Kulturen im 20. Jht. aussagen. So etwas wäre für eine akademische Veranstaltung sehr interessant, meine ich. Aber für den Dialog würde ich das Thema für ungeeignet halten. Einige Teilnehmer können sich an Sputnik erinnern und jedes dramatische Ereignis lässt sich mit Erfahrungen irgendwie vergleichen (z.B. mit dem 11. September). Dennoch kommt mir das Thema für den Dialog zu historisch und zu verkopft vor.

(2)
Nehmen wir jedoch Textausschnitte von arabischen und amerikanischen Autoren der jeweiligen "Renaissance" (1840-1860 in den USA; Nahda, 19.-frühes 20. Jht. in Arabien) haben wir dagegen Texte, deren kulturellen Zusammenhang man kurz erläutern kann, aber, die auch für sich stehen können und Themen anschneiden, die uns heute noch bewegen. Thoreau oder Emerson, Kawakibi oder Aflaq oder gar der noch lebende Autor Adonis (Ali Ahmed Said) sind Autoren, die nicht so sehr an ihre Zeit gebunden sind. In der Tat erreichten Autoren wie Thoreau oder Kawakibi ihre grösste Wirkung erst viel später, nach ihrem Tod. Man könnte sie so präsentieren, dass Stoff für einen Dialog entsteht, ohne sich dabei in historischen Details zu verlieren. Es geht dabei um Sinnbilder, Nation und Politik, Unterdrückung und Freiheit, Religion, Natur, Freundschaft - ewige Themen.

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